Kreishandwerkerschaft Wittekindsland
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Unternehmen Handwerk
Falsche Dachdecker unterwegs
(Artikel vom 24.11.2014 - 08:44:00 Uhr)


Unseriöse Dachdecker in Minden-Bölhorst:
Rentner kommt mit dem Schrecken und ein paar zerbrochenen Ziegeln davon

(Minden, 20.11.2014). Sie kamen ohne Vorankündigung: Drei Männer klingelten vergangenen Mittwochmittag an der Haustür eines Einfamilienhauses im Mindener Stadtteil Bölhorst und überredeten den 68-jährigen Eigentümer des Hauses zu einer Dachreparatur zum Wucherpreis von 12.000 Euro. Mit viel Glück wurde in letzter Minute ein herber finanzieller Schaden abgewandt. Die vermeintlichen Dachdecker flogen auf und sind zwischenzeitlich auf und davon. Ihre Betrugsmasche verlief so: An der Haustür eröffnetem sie dem älteren Hauseigentümer, dass sein Dach dringend reparaturbedürftig sei. Am Schornstein sei vom Betonkopf etwas rausgebröckelt und Gefahr im Verzug. An Ort und Stelle einigte man sich nach kurzer Verhandlung mit dem besorgten Hausbesitzer auf verschiedene Reparaturen an Dach und Schornstein inkl. Beschichten des kompletten Daches, dazu eine Garantie von 10 Jahren, zum Preis von 12.000 Euro. Sofort begannen die Drei mit der Arbeit. Nach etwa 2 Stunden verlangte man einen Vorschuss für Auslagen z.B. für das Material. Der Rentner verneinte, da seine Hausbank geschlossen und er sonst kein Geld verfügbar hatte. Das Angebot, ihn zu einer anderen Bank zu fahren, lehnte er ab. Darauf brachen die drei Männer ihre Arbeiten ab und kündigten an, am nächsten Morgen die Arbeiten fortzusetzen. Der ältere Herr möge dann das Geld parat haben.

Der Bölhorster nutzte die Unterbrechung und erzählte einem Verwandten in Bad Oeynhausen am Telefon von der der Geschichte. Der wiederum erkundigte sich bei einem befreundeten Dachdeckermeister, der schließlich den Obermeister der Dachdecker-Innung Minden, Matthias Müller, informierte. Eine schnelle Internetrecherche konnte die Firmenangaben auf dem Fahrzeug „Sieckmann Bedachungen, Johannistorwall 19a, Osnabrück“ und dem handschriftlichen Auftragszettel „Sieckmann, Am Hakentempel 27, Bad Iburg“ nicht bestätigen. Stutzig machten Müller bereits die unterschiedlichen Firmenadressen. Unter der auf dem Auftragszettel angegebenen Handynummer war niemand erreichbar. Immerhin tat der Hauseigntümer jetzt das das einzig Richtige und sprach die Kündigung seines Auftrags auf die Mailbox der seltsamen Dachdeckerfirma.

Morgens früh trafen sich Obermeister Müller und der Verwandte bei dem Senior und nahmen das Dach in Augenschein. Der Obermeister stelle fest, dass sich das Dach in gutem Zustand befindet. Von den angeblich erforderlichen Arbeiten keine Spur. Vielmehr richteten die vorgeblichen Fachleute am Vortag selbst Schäden am Dach an, indem sie durch unsachgemäße Begehung mehrere Ziegel beschädigt und kaputt gebrochen haben.

Wenig später traf dann die dreiköpfige Kolonne bei dem Rentner in Bölhorst ein. Mit seiner Verstärkung teilte der drei Arbeitern mit, dass sie ihre Sachen packen und verschwinden sollen. Glücklicherweise taten die das, ohne Anstalten zu machen. Für den Bölhorster ist die Angelegenheit nochmal glimpflich verlaufen. Obermeister Müller schätzt den Wert der tatsächlich notwendigen Arbeiten bei fachmännischer Ausführung auf maximal 1.000 Euro. Die beschädigten Ziegel wird der Eigentümer allerdings noch austauschen lassen müssen.

Matthias Müller erklärt dazu: „Geschäfte an der Haustür sind zulässig aber riskant. Ältere Hausbesitzer zur Auftragsvergabe wie hier geschehen zu überrumpeln, ist unseriös. Auch Barzahlungen sind im Übrigen absolut unseriös und sollten zurückgewiesen werden. Kunden steht bei Haustürgeschäften immerhin ein Widerrufsrecht zu.“ Müller schockiert die Dreistigkeit der Monteure und der absolut überzogene Preis. Ob hier der Hausbesitzer bei möglicherweise später noch auftretenden Mängeln seine gesetzlichen Rechte hätte durchsetzen können, beurteilt Dachdeckermeister Müller skeptisch. Jedenfalls sollte man sich bei Geschäften mit Unbekannten an der Haustür unbedingt die sogenannte Reisegewerbekarte vorzeigen lassen. Die braucht man nämlich, wenn man ohne festen Betriebssitz meisterpflichtige Handwerksarbeiten anbieten will. Fachbetreibe mit festem Betriebssitz sind in die Handwerksrolle eingetragen und über die Handwerkskammer auffindbar. Am besten, rät Müller, sollte man Dachdeckerarbeiten „nicht auf die Schnelle mal eben so beauftragen. Er rät: „nehmen Sie sich Zeit und wählen Sie einen Dachdecker Ihres Vertrauens aus der Region. Dann hat man immer einen persönlichen Ansprechpartner vor Ort und einen Betrieb, der für seinen guten Ruf einstehen muss. Der Ruf eines Handwerkers ist die beste Garantie für seinen Kunden.“

Bei der Handwerkersuche hilft die Dachdecker-Innung Minden kostenlos und unverbindlich (Telefon 0571/828220). Qualifizierte Dachdecker-Fachbetriebe findet man auch im Internet unter www.kh-witt.de > Innung für Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik MI > Mitglieder.



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